Folgender Text ist mein Beitrag zu der Ringvorlesung „Zyklizität und Rhythmik“
an der Universität Potsdam (Juli 2018)

Strukturierte und strukturierende Zeiten. Lebensweltliche Zyklen und deren Erfindungen (2018)

von Ralf Pröve

1. Einstieg

Im Vorfeld des 25. März 2018 gab es mächtig Unruhe nicht nur im virtuellen Universum oder dem immer noch dichten Blätterwald der analogen Welt, sondern auch eine entsprechende Initiative im EU-Parlament[1]. Richtig, es stand die alljährliche Einführung der Sommerzeit an, die Uhren wurden wie seit 1980 von 02.00 Uhr auf 03.00 Uhr vorgestellt und damit eine komplette Stunde übersprungen. Die emotionale Dimension der Debatte um das Für und Wider nahm in diesem Jahr besonders heftige Ausmaße an. Freuten sich die einen auf längere helllauschige Sommerabende, verwiesen die anderen auf Schlafstörungen und andere biologische Nachteile, Kinder und Kühe kämen mit der Umstellung gar nicht klar. Lassen wir zwei Politiker symptomatisch zu Wort kommen. So vermeldet der Sommerzeit-Gegner Herbert Reul, seit kurzem CDU-Innenminister in NRW, im Europaparlament, als die Sommerzeitgegner Anfang Februar die Debatte eröffneten: „Frau Präsidentin, Frau Kommissarin! Der natürliche Rhythmus von uns Menschen bestimmt sich durch Auf- und Untergang der Sonne. Die heutigen EU-Regelungen zur Sommerzeit bringen die biologische Uhr aus dem Takt. Von daher fordere ich die Kommission auf, hier wissenschaftlich nachvollziehbare Belege vorzulegen, die die Beibehaltung der Sommerzeit rechtfertigen.“ Europapolitiker Werner Langen, ebenfalls von der CDU, sieht es demgegenüber ganz anders: „Frau Präsidentin! Wenn ich die Horrorszenarien höre, die hier vorgeführt werden, dann kann ich nur staunen. Warum diskutieren wir hier nicht über den Vollmond? Also ich höre immer, in meinem Heimatland leiden 25 Prozent der Menschen zwölf Mal im Jahr unter dem Vollmond; sie können nicht schlafen. Wenn ich sehe, wo Depressionen entstehen: Da, wo das Sonnenlicht fehlt, entstehen Depressionen. Wir sollten die Chance nutzen, den Menschen die jetzige Regelung mit einer Stunde Sommerzeit mehr Sonnenlicht zu ermöglichen.“

Ich möchte meinen Einstieg in das Thema mit derart emotional aufgewühlten Akteuren noch mit einigen diachronen und synchronen Phänomenen zum Konnex Mensch und Zeitverständnis ergänzen.

Der italienische Wissenschaftler Umberto Eco (1932-2016) ist nicht nur als brillanter Semiotiker weltbekannt geworden, zugleich hat er sich auch als Autor belletristischer Werke einen bedeutenden Namen gemacht. Ich zitiere im folgenden aus dessen famosen Mittelalterroman Der Name der Rose (1980, dt. 1982, verfilmt 1986), in dem es um eine Benediktinerabtei Anfang des 14. Jahrhunderts geht, in der sich unerklärliche Todesfälle ereignen.

„Die Mette wird bei uns so früh gefeiert, dass es, zumal im Winter, noch tiefe Nacht ist und die ganze Natur noch schläft, denn die Mönche haben sich lange vor Tagesanbruch zu erheben und im Dunkeln zu beten, um in Erwartung des dämmernden Morgens die Finsternis zu erhellen mit der Glut ihrer frommen Andacht. Und so verlangt denn ein kluger Brauch unserer Klöster, dass einige Brüder am Abend nicht schlafen gehen, sondern die Nacht verbringen mit rhythmischer Rezitation einer vorgeschriebenen Anzahl von Psalmen, die so bemessen ist, dass sie ihnen die Stunden der Nacht anzeigt, dergestalt dass diese Fratres Vigilantes, wenn die Zeit gekommen ist, ihre Mitbrüder wecken zu können“.[2]

Mag diese Abtei auch fiktiv und das Ganze ein Roman sein, so wird hier doch eine in mittelalterlichen Klöstern gängige Praxis beschrieben, in der fehlende technische Zeitmessungsmöglichkeiten mit der Länge vorgeschriebener Texte und der Geschwindigkeit deren Rezitierens wett gemacht werden. Und das schon vor vielen Jahrhunderten.

Als zu Beginn der 1730er Jahre im nahe Göttingen gelegenen Moringen ein Waisenhaus eingerichtet werden sollte, baten die Verantwortlichen den Verwalter des Waisenhauses in Celle um Informationen über die innere Ordnung seiner Einrichtung. Der dortige Verwalter, Johann Heinrich Siesenis, kam dieser Bitte in seinem Schreiben vom 23. Juni 1732 gerne nach.

So müsse in Celle „der Schulmeister im Sommer, also von Ostern bis Michaelis Morgens von 6 bis 9 Uhr informieren, von 9 bis 11 müssen die Kinder in der Werkstube arbeiten, die Jungens knütten, und die Mädgens spinnen, wobei der Werkmeister zugegen sein muss, von 11 bis 12 speisen die Kinder, wobei der Verwalter zugegen sein muss und die Kinder vor und nach dem Essen beten lassen, auch einen Lobgesang mit ihnen singen, von 12 bis 1 haben sie ihre recreation, von 1 bis 4 in die Schule, von 4 bis 7 in die Werkstube, von 7 bis 8 essen sie wieder, und muss als denn der Verwalter nach der Abendmahlzeit ordentliche Betstunde mit den Kindern halten, nach Endigung dessen wird ihnen etwa ½ Stunde Zeit gelassen, als denn der Verwalter sie zu Bette bringen muss, und werden als denn die Kammern zugeschlossen. Des Winters aber wird die Schule vormittags eine Stunde später“ beginnen.[3]

Ein fast 300 Jahre alter Tagesplan mit bemerkenswert detaillierten Zeitangaben, sogar unter Berücksichtigung sommerzeitlicher Zyklen, also einer jahreszeitlichen Anpassung sowie einer 30minütigen Freizeitphase. Jahreszyklus und Alltagsrhythmus erscheinen hier erstaunlich engmaschig getaktet.

Detailliert, jedoch längst nicht so engmaschig wie in unserer Zeit: In gegenwärtigen Schulen und Universitäten wird heutzutage die Zeit nach Viertelstunden berechnet, in Behörden und Unternehmen für deren Mitarbeiter über die automatische Arbeitszeitüberwachung via Stechuhr sogar nach Minuten, an den rechnergestützten Börsen gar in Sekunden und Millisekunden Geschäfte abgewickelt.

Nach diesen diachronen Perspektiven folgt auch ein kurzer Blick in die Synchronie. Klaus E. Müller hat etwa Beispiele für ein in anderen Teilen der heutigen Welt ausgeübtes, ganz anderes Zeitverständnis zusammengetragen.[4] So bezeichnet „Tontopf“ bei den Jakuten in Sibirien zum Beispiel die Zeit, die man benötigte, um eine Mahlzeit (im Tontopf eben) zu kochen. Sie machte gut zwei Stunden aus und entsprach gleichzeitig dem Streckenmaß von sieben bis zwölf Kilometern, die ein Mann gewöhnlich zu Fuß in zwei Stunden zurücklegen konnte. Andere Bestimmungen orientierten sich etwa, wie bei den Mongolen, am Aufsatteln eines Pferdes (2-4 Minuten), dem Rauchen einer Pfeife (3-5 Minuten) oder der Melkdauer eines Schafes (10 Minuten). Bei den wesentlich von der Rinderhaltung lebenden Nkole in Uganda beginnt der Tag mit der Melkzeit (6 Uhr morgens); wichtige weitere Einschnitte bilden die Ruhezeit für Mensch und Vieh (12 Uhr), das Wasserholen (13 Uhr), die Zeit, wenn die Tiere die Tränke verlassen und erneut zu weiden beginnen (15 Uhr). Die überwiegend als Pferdehirtennomaden lebenden Mongolen unterschieden entsprechend nach dem üblicherweise sechsmaligen Melken der Stuten.

Dieser Einstieg in die Thematik der Ringvorlesung Zyklizität und Rhythmik hat nicht nur das gemeinsame Fundament, nämlich das Phänomen Zeit offen gelegt. Zugleich wurden dabei drei zentrale Faktoren sichtbar: Erstens vermeinen wir, ganz nach Historikerart, eine gewisse zeitliche Entwicklung, auf ein Ziel, ein Telos, hin, zu erblicken. Von ungenau, chaotisch, vorsintflutlich und unzivilisiert zu präzise, exakt, industrialisiert, technisiert und modern. Zweitens erkennen wir jedoch, dass nicht nur diachron, also in der Vergangenheit, sondern eben auch synchron, also in der Gegenwart, Zeit offenbar ganz unterschiedlichen Bedeutungen beigemessen und somit variabel gehandhabt wird. Drittens ahnen wir bereits jetzt eine enge Verbindung von differierenden Zeitkonzeptionen, bestimmten Routinen und Handlungsabläufen in Bezug auf Zeitlichkeit sowie spezifischen Praktiken der Zeitmessung.

2. Natürliche Zyklen, herrschaftliche Zyklen

Steigen wir zunächst in die scheinbar eindeutige, exakte und klar definierte Welt der Naturwissenschaften ein. Das allgemein übliche Formelzeichen der Zeit ist t, ihre internationale Einheit ist die Sekunde s. Physikalisch betrachtet stellt Zeit eine fundamentale Größe dar, über die sich in Verbindung mit Raum die Dauer von Vorgängen und die Reihenfolge von Ereignissen bestimmen lassen. Mit der Abfolge von Ereignissen ist eine eindeutige, unumkehrbare Richtung gemeint. Mit Hilfe der physikalischen Prinzipien der Thermodynamik könne diese Richtung als Zunahme der Entropie, d. h. der Unordnung in einem abgeschlossenen System bestimmt werden.[5] So recht vermag zumindest mir das Ganze nicht weiter zu helfen; allerdings konzentrieren sich auch Physiker bezeichnenderweise ebenfalls weniger auf die Definition von Zeit als vielmehr auf die Messung von Zeit: anstatt eine mögliche Grundlage oder Ursache für das Phänomen zu bestimmen, wird diese über Verfahren zu ihrer Messung definiert. Eine Zeitmessung ist immer ein Vergleich von Bezugspunkten, da es keine direkte Möglichkeit gibt, Zeit anhand von äußeren Einflüssen zu messen, wie etwa die Stromstärke oder die Windgeschwindigkeit. Auf das letztlich sozialkonstruktivistische Konzept derartiger Messverfahren werden wir noch einmal gesondert zurückkommen.

Zunächst aber gilt es, sich – durchaus in funktioneller Wechselwirkung mit Raum und Abstand – zu vergegenwärtigen, wie viele Möglichkeiten es gab, Veränderungen, Verläufe, Rhythmen zu beobachten und wahrzunehmen. Fundamentale Bedeutung ergaben sich aus den astronomisch-physikalischen Basisparametern: So bewirkt die Erdrotation einen regelmäßigen Wechsel von Tag und Nacht (ein Tag zu 24 Stunden), die Rotation der Erde um die Sonne bringt, entsprechend der Bahnneigung der Erde zur Sonne einen jahreszeitlichen Wandel (von 366,24 Tagen). Hinzu kommen noch die wechselnden Lichtgestalten des Erdtrabanten. Diese sogenannten Mondphasen entstehen durch die perspektivische Lageänderung seiner Tag-Nacht-Grenze relativ zur Erde während seines Erdumlaufes. Gebräuchlich ist die Einteilung in vier Viertel von je ungefähr einer Woche Länge. Ein gesamter Mondphasenzyklus von einem Neumond zum folgenden Neumond dauert im Mittel etwa 29,5 Tage.

Auch ohne naturwissenschaftliche Kenntnis dieser astronomisch-physikalischen Wirkkräfte haben Menschen schon sehr früh mit Mitteln der systematischen Beobachtung und der tradierten Erfahrung wiederkehrende Abfolgen im Rhythmus der Natur wahrgenommen und für sich genutzt. Es gab jahreszeitliche Vegetationszyklen, an die sich die Fauna (mit Nachwuchs, Fressverhalten, Wanderungsbewegungen, Revierkämpfen etc.) anpasste, es gab Wetterzyklen von Kälte und Hitze, von Trockenheit, von Stürmen oder Regenzeit. Die Veränderungen wurden sichtbar über und durch das sich wandelnde Verhalten von Tieren und Pflanzen, die alle auf Zyklen und Rhythmen reagieren und somit gleichsam als Messinstrumente für den klimatischen und jahreszeitlichen Wandel fungieren.[6]

Entsprechend passte sich der Mensch mit seiner Lebenswelt diesen natürlichen Rhythmen an: Ebbe und Flut bestimmten Fischerei und Schifffahrt, Jäger wussten um die jahreszeitlich bedingten Wildwechsel und Vogelzüge, Sammler kannten die Reifezeiten von Früchten und Kräutern, Bauern wussten, wann die beste Zeit für Aussaat und Ernte war. So bestimmte der Kreislauf der Natur die Lebenswelt des Menschen; Zeit wurde als immer wieder kehrende Veränderung erlebt und gemessen.

In dem Maße, wie Homo Sapiens seine Umwelt immer stärker dominierte, geht Hand in Hand eine präzisere Vorhersage einher, die es erlaubte, eben rechtzeitig auszusäen, zum besten Zeitpunkt zu ernten, die Ernte vor Kälte und Regen in Sicherheit zu bringen, den besten Zeitpunkt zu Jagd und Tierzucht zu bestimmen, die Genießbarkeit von Nüssen und Pilzen abzupassen. Mehr noch, der Mensch passte sich nicht nur mit seinen Praktiken der Nahrungsbeschaffung den Naturzyklen an, sondern, als Folge davon, auch seine sozialen und kulturellen Interaktionen. Diese Interaktionen bleiben zunächst naturnah, angelehnt an biologische Rhythmen von Fauna und Flora, etwa Almauf- und abtrieb, Erntedankfest, Kirsch- und Apfelblütenfeste, Schlachtfeste, Agrarrituale usw., an die sich allmählich stärker davon abstrahierte Feierzyklen anschlossen wie etwa Konfirmation, Hochzeit, Maifeiern usw.

Es verwundert daher keineswegs, dass sich Technik und Organisation der Zeitmessung bereits in frühen Kulturen entwickelt haben. So diente das in der Jungsteinzeit bei Stonehenge in der Nähe von Salisbury errichtete und mindestens bis in die Bronzezeit genutzte Bauwerk, bestehend aus mehreren konzentrischen Steinkreisen, vermutlich der Zeitvorhersage und der exakten Bestimmung der Sommersonnenwende. Die berühmte Himmelsscheibe von Nebra wurde vor 4000 Jahren ebenfalls zur astronomischen Beobachtung und somit der Vorhersage der Sonnenwenden genutzt. Derartige sogenannte Kalenderbauten lassen sich in vielen Kulturen auf der Erde nachweisen.

Wohl von Anfang an war die gesellschaftliche Ausdifferenzierung und soziale Hierarchie ebenso wichtig wie die technischen Systeme: Zeit-Vorhersagen in Kombination mit Verhaltensmaßregeln und der Vorgabe alltäglicher Zyklen und Rhythmen wurden zu Herrschaftszwecken genutzt. Die Beobachtung der Gestirne in Kombination mit der Wandlungsrhythmik der Natur wurde zum speziellen Knowhow. Da jedoch die astronomisch-physikalischen Hintergründe im Dunklen blieben und deshalb magische Kräfte und göttliche Eingebungen als Ursache vermutet wurden, wurde das Ganze zur jeweiligen Chefsache ausgebaut. Ein geheimer Wissensschatz, ein Arkanum wurde inszeniert und mit dem Hinweis auf ein grundsätzliches Heilsversprechen eine Herrschaftslegitimation abgeleitet. Wie der bekannte französische Historiker Jacques Le Goff (1924-2014) einmal so prägnant formuliert hat, beginne damit im Wortsinn die Zeit der Kirche[7]. Dabei würden Machthaber und Priesterschaft Hand in Hand vorgehen.

Die Kombination von lebensweltlichem Vorgang (Aussaat, Ernte etc.) und astronomischen wiederkehrenden Prozessen (Mondphasen, Tag-und Nacht-Gleiche, Sommer- und Wintersonnenwende etc.) führte zu ersten Aufzeichnungen, ersten Kalendern.

Aus diesen geographisch überschaubaren, regional eingegrenzten Kalendergemeinschaften entstanden mit der Herausbildung größerer Herrschafts- und Wirtschaftsräume immer komplexere Kalender[8]. Im bald auch christlich geprägten Römischen Reich band zum Beispiel die Julianische Kalenderreform im Jahre 45 vor Christus große Teile Europas und des Mittelmeerraums und somit etliche Millionen Menschen ein. Julius Caesar ließ verschiedene Kalendersysteme kombinieren, vor allem jenes aus Ägypten, und schuf auf diese Weise ein einheitliches System aus zwölf Monaten mit elf Monaten mit je 30 oder 31 Tagen sowie einem Monat mit 28 Tagen, also zusammen 365 Tagen; dabei blieben bei der Tageverteilung die Interessen der politischen und religiösen Strömungen möglichst weitreichend berücksichtigt[9]. Von besonderer Bedeutung geriet dabei die Einführung eines Schalttages alle vier Jahre.

Waren zuvor schon etliche Tage in alten Kalendern für bestimmte Rituale und Feiertage festgelegt worden, so führte die Dominanz der christlichen Kirche dazu, dass nun auch eine immer engmaschigere Christianisierung in dem Jahreszyklus Einzug nahm: die nach Tagen gegliederte Woche belegte jeden Tag mit einer heilsgeschichtlichen Bedeutung, besonders herausragend ist dabei der Tag des Herrn (Sonntag) für den Gottesdienst (im jüdischen Glauben ist dies der Sabbat am Samstag). Dazu erhalten die Sonntage spezielle Bezeichnungen und folgen einem liturgischen Heilsmuster; dazu gibt es Heiligentage, Namenstage etc. Der wichtigste christliche Feiertag, das Osterfest, die Kreuzigung und Auferstehung Jesus, wurde auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 folgendermaßen kalendarisch fixiert: das Osterdatum ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Als Datum für den Frühlingsbeginn wurde der 21. März festgelegt. Der Ostersonntag fällt somit in einen Zeitraum vom 22. März bis spätestens am 25. April. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr, etwa Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern) und Pfingsten (50 Tage nach Ostern, die Entsendung des Heiligen Geistes) oder Fronleichnam (am 60. Tag nach dem Ostersonntag).

Da aber das julianische Jahr gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang ist, führte dies zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Papst Gregor XIII. ließ deshalb im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel einführen[10]. Diese besagt, dass volle Jahrhunderte (wie 1700, 1800, 1900 usw.) nur dann Schaltjahre sind, wenn sie durch 400 teilbar sind (daher war das Jahr 2000 ein Schaltjahr, das Jahr 1900 dagegen nicht).

Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge).

Zu diesem Zeitpunkt war das christliche Europa ein weiteres Mal gespalten worden. Hatte bereits vor Jahrhunderten, im Jahre 1054 das Große Schisma die römisch-katholische von der orthodoxen Welt getrennt, so bewirkte die im Kontext von Martin Luther bewirkte Reformation (Thesenanschlag 1517, Augsburger Reichstag 1530, Augsburger Religionsfrieden 1555), nun auch die politische und konfessionelle Spaltung des verbliebenen römisch-katholischen Europas, so dass der neue päpstliche Kalender zunächst überwiegend lediglich in römisch-katholischen Herrschaften eingeführt wurde[11]. Die meisten protestantischen Länder behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, was vor allem in konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands zu einem umständlichen Nebeneinander von „altem Stil“ neben „neuem Stil“ führte. So konnte es einem frühneuzeitlichen Reisenden passieren, das er am 5. Januar 1600 im katholischen München abreiste und nach zwei Reisetagen am 28. Dezember 1599 im protestantischen Stuttgart ankam. Administrativ besonders aufwändig war es auch zum Beispiel, wenn ein Fürst über zwei unterschiedliche Kalendergebiete herrschte; in diesem Fall waren Gesetze stets in beiden Stilen anzugeben. So herrschte Georg II. in Personalunion als englischer König und Kurfürst von Hannover über Länder mit differierenden Kalendern.

Erst als in den protestantischen Reichsständen des Heiligen Römischen Reiches die Umstellung am 18. Februar des Jahres 1700 vorgenommen wurde, und also auf diesen Tag sogleich der 1. März „neuen Stils“ folgte, und mit etwas Verspätung auch Großbritannien im Jahre 1752 nachrückte, wurde der Kalenderstreit beendet[12]. Allerdings übernahmen etwa Russland erst 1918 und China sogar erst 1949 den neuen Kalender. Und selbst heute begehen ein Teil der orthodoxen Kirchen (z. B. die armenische, die russische, die syrische, die serbische, die georgische, die mazedonische, die ukrainische) alle ihre Feste weiterhin nach dem julianischen Kalender. Ihr Weihnachtsfest (25. Dezember) fällt darum derzeit auf den 7. Januar (gregorianisch).

Insbesondere die politische und herrschaftstechnische Dimension des Kalenderstreits bei Einführung des Gregorianischen Kalenders ist augenfällig. Dieses Phänomen lässt sich im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts ein weiteres Mal beobachten. Um den im Zuge der Französischen Revolution herbeigeführten totalen Bruch mit dem alten politischen System und damit auch das Ende des damit verbundenen Einflusses der katholischen Kirche unmissverständlich anzuzeigen und eine neue Zeit in der Menschheitsgeschichte einzuläuten, ging man rasch dazu über, einen neuen, rationalen, am Vernunftprinzip angelehnten Temporalzyklus vorzunehmen[13]. Offiziell galt dieser Revolutionskalender vom 22. September 1792 bis zum 31. Dezember 1805. Das Jahr besaß, parallel zu den ebenfalls neu eingeführten und am Dezimalsystem orientierten Maß- und Währungseinheiten, 12 Monate zu 30 Tagen mit jeweils 3 Dekaden (10 Tagen). Dazu kamen fünf (in Schaltjahren sechs) Ergänzungstage. Der Kalender führte eine Zehntagewoche ein. Dadurch gab es nur noch alle zehn Tage einen freien Tag. In voller politischer Demonstration erhielten die ersten Jahre Bezeichnungen wie Jahre der Freiheit, Jahr der Freiheit oder Jahr der Republik. In Beschreibungen der Revolution werden einzelne Daten zur Bezeichnung bestimmter Ereignisse nach dem Revolutionskalender eingesetzt, so etwa der 9. Thermidor (das Ende der jakobinischen Schreckensherrschaft) oder der 18. Brumaire (die Machtergreifung Napoleons).

Aus aktuellem Anlass greife ich ein letztes Beispiel für die politische und herrschaftstechnische Dimension von Zeitmessung heraus: Im Zuge der momentanen Annäherung zwischen Nord- und Südkorea sei ein weiterer Schritt zur Harmonisierung vollzogen worden. So würden künftig laut einer Meldung auf Zeitonline[14] die Uhren in beiden Ländern wieder synchron laufen. Dafür werde die nordkoreanische Uhrzeit um eine halbe Stunde vorgestellt. Die Zeitumstellung sei der erste praktische Schritt, um den Prozess der Einigung zu beschleunigen, teilten nordkoreanische Staatsmedien mit. Die Zeitumstellung war von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nach dem historischen Treffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In angekündigt worden. Laut Staatsmedien hatte es Kim als „schmerzhaften Anblick“ empfunden, als er am Verhandlungsort eine Uhr mit der Pjöngjang-Zeit und eine andere mit Südkoreas Standardzeit sah. Das nordkoreanische Parlament verabschiedete daraufhin ein Dekret zur Zeitumstellung. In beiden koreanischen Staaten galt über Jahrzehnte hinweg dieselbe Zeit. Erst 2015 schuf der Norden seine eigene Zeit, mit der die Uhren 30 Minuten zurückgestellt wurden. Die Entscheidung sollte die Spuren der japanischen Kolonialherrschaft über die Koreanische Halbinsel beseitigen. Damals war die Uhrzeit der Zeitrechnung in Japan angepasst worden.

Bisher haben wir uns mit Agenten und Agenturen von Zeittaktgebern und Zeitbestimmungsautoritäten befasst, die vornehmlich von Herrschaftsinteressen und religiösen Legitimationen geprägt waren. Wenn der ökonomische Aspekt auch immer schon da war, so schieben sich doch wirtschaftliche Interessen in dem Maße wie sich Ökonomien und Gesellschaften ausdifferenzieren immer stärker in den Vordergrund. So waren eben nicht nur Herrschaftsträger, sondern auch Händler, Produzenten, Investoren und Konsumenten auf eine astronomisch-physikalisch verlässliche und administrativ-politisch durchgesetzte Taktung angewiesen. Um ein weiteres Mal mit Le Goff zu sprechen, es setzt die Zeit der Händler ein. Es galt, Raum und Zeit miteinander in Bezug zu setzen und dabei die jeweiligen Ortszeiten, die eingeübten lokalen Zyklen, die von den klassischen Glockenschlägen der Kirchturmuhren in den kleinen Städten und Kirchspielen bestimmt waren, zu überwinden und in einem größeren Territorialbezug zu harmonisieren[15]. Nicht zufällig setzten die Prozesse in den etwas größeren Herrschaftsbereichen ein, und zwar dort, wo es Räume zu überwinden galt. So verfügte der preußische König Friedrich Wilhelm I. 1719, dass „alle Postmeister und Postwärter, sowohl reitende als fahrende Postillione zu genauer Einhaltung ihrer Stunden“ verpflichtet seien[16]. Um die einzelnen Ortszeiten zu synchronisieren, wurden im gleichen Jahr alle Ortsobrigkeiten angewiesen, die Uhren in ihrem jeweiligen Verwaltungsbezirk zu überprüfen und „richtig“, also einheitlich zu stellen. Ein Erfolg ließ – wenig überraschend – lange auf sich warten, so dass die Postkutsche sozusagen ihre eigene Zeitmessung bekam. Der Kutscher verwahrte eine versiegelte Kursuhr und musste mittels Stundenzetteln, also Vorläufer der heutigen Fahrtenschreiber, mögliche Verspätungen von den Postmeistern eintragen lassen. Flankiert wurden diese Maßnahmen von Kirchenordnungen und Policeygesetzen, in denen unter Androhung von Strafe auf eine einheitliche Zeitmessung einerseits, auf die Einhaltung der zeitlichen Rhythmen andererseits, gedrungen wurde[17].

Die technischen und organisatorischen Verbesserungen im Postverkehr seit dem 16. und 17., vor allem aber dem 18. Jahrhundert, der Bau von Kunststraßen (Chausseen) ab 1750 und später der Einsatz von Eisenbahnen seit 1830 bewirkten eine nachhaltige Wandlung. Fahrpläne wurden immer genauer und präziser, das Reisen und der Transport von Waren und Gütern sicherer und kalkulierbarer, Produktionsvorgänge konnten abgeglichen, Vertragsabschlüsse auch abseits von Messen koordiniert, Liefer- und Laufzeiten geplant werden. Mit diesen Veränderungen gingen zum Beispiel einher technisch anspruchsvollere und vor allem bald mobile Chronometer, exaktere Fahrpläne und überhaupt ein neues Verständnis von Zeit und Raumerfassung.

Diese zunächst territorien- bzw. landesweite Ausweitung vereinheitlichter Zeitmessung und Taktung wurde schon bald im 19. Jahrhundert, parallel zum weltumspannenden Handelsnetz und den stetigen Verbesserungen der Verkehrsmittel, auf ganze Staaten und Europa insgesamt, schließlich die Welt ausgeweitet. Die Greenwich Mean Time (GMT) war von 1884 bis 1928 Weltzeit, in dieser Funktion wurde sie 1972 von der Koordinierten Weltzeit (UTC) abgelöst. Aus der UTC leiten zum Beispiel Deutschland, Österreich und andere mitteleuropäischen Staaten die bei ihnen geltende Mitteleuropäische Zeit (MEZ) ab, indem eine Stunde addiert wird.

Neben dem Post- und Reiseverkehr gab es einen weiteren katalysatorischen Faktor für eine Harmonisierung von Takt und Zyklus, nämlich einerseits geschlossene Einrichtungen wie Klöster, Schulen[18], Waisenhäuser oder Fabriken, andererseits neue Sozialformen wie etwa das Militär (die Stehenden Heere der Frühen Neuzeit[19] oder die Wehrpflicht- bzw. Berufsarmeen seit dem 19. Jahrhundert). Jeweils galt es in diesen Sozialmilieus eine bestimmte Anzahl von Menschen zu einem bestimmten Zweck und auf beschränkten Raum zu koordinierten Handlungen zu veranlassen.

3. Zeit und Geschichtswissenschaft

Obwohl die Geschichtswissenschaft sich ausschließlich mit der Vergangenheit beschäftigt, also verflossene Zeiten sozusagen deren Kernkompetenz sein sollte, wurde das Thema Zeit selbst jedoch stiefmütterlich behandelt. Dieses Versäumnis hat mehrere Facetten, die sich letztlich auf eine Ursache zurückführen lassen. Bis in die 1970er Jahre hinein dominierte eine eher geschichtskundliche Betrachtungsweise, die sich auf Ereignisse und einzelne Personen, in der Regel Potentaten, bezog und die mit einem naiven Wahrheitsverständnis operierte. Vor diesem Hintergrund bildete Zeit lediglich einen ereignisbehafteten Zeitpunkt, den es präzise zu datieren galt. Demzufolge wurden Zeit und Zeitzyklen nur als hilfswissenschaftliche Probleme begriffen, und etwa Grotefends Taschenbuch der Zeitrechnung[20] zum Standardnachschlagewerk in der universitären Ausbildung gemacht. Die damalige Phase wurde von dem Grundsatz geprägt: Historisches Erzählen ist zeitlogisches Erzählen[21]. Aber auch der von den 1970er bis in die 1990er Jahre im Fach dominierende Strukturfunktionalismus brachte hier nur wenig Besserung. Zwar entfernte man sich in dem Bemühen, vermutete Gesetzmäßigkeiten hinter den Dingen erblicken zu wollen, vom starren Beharren auf Zeitereignislogik und Große Männer. Jedoch blieb der Fokus auf die Entdeckung vermeintlich universeller Wahrheiten im Spiegel von Prozentzahlen und Durchschnittswerten weiterhin fixiert. Zudem wurde nunmehr Zeit als strukturgebender Entwicklungsparameter aufgefasst: Befunde wurden in die jeweiligen teleologischen, also zielgebenden Konzepte von Moderne oder dem marxistischen Entwicklungsplan eingeordnet. Mit diesem Koordinatensystem hatte man eine Schablone geschaffen, eine Art Rahmenerzählung, die es ermöglichte, Akteure und Vorgänge als vorzeitig oder nachzeitig zu markieren. Mal galt ein Befund als gleichzeitig, mal als ungleichzeitig, ging er also konform mit dem konstruierten zeitlichen Entwicklungsstand oder eben nicht[22].

Historiker haben sogar noch viel mehr getan und mit ihren Periodisierungserfindungen erheblich dazu beigetragen, Zeitzyklen spezifischen Interpretationskonzepten unterzuordnen, etwa durch die Kreation von Konzepten wie langes 19. Jahrhundert, Zeitalter der Weltkriege, Antike, Frühen Neuzeit usw.

Zwar haben wir gerade den Finger in die hermeneutische Wunde gelegt, jedoch können wir uns selbst kaum diesem verführerischen Faszinosum erwehren und auch ich habe ihnen im letzten Kapitel eine schöne zyklische Erzählung im teleologischen Zeitmodus geliefert.

Ein andere Betrachtungsweise ermöglicht die kulturalistische Wende im Fach Geschichte seit den 1990er Jahren. Diese Wende wird gespeist von den Konzepten der Postmoderne, die die Vorstellung von einer universal gedachten Wahrheit zugunsten einer grundsätzlichen Heterogenität von Wahrheit in Frage stellten, sowie von den Akteurs- und Habitusbegriffen von Pierre Bourdieu (1930-2002) oder den Ideen von Michel Foucault (1926-1984)[23]. Kernpunkt des Zugangs ist die hermeneutische Autonomie des Akteurs. Erst wenn sich ein Akteur etwas angeeignet hat, wird es für diesen wahr, also erst dann somit auch für Historiker relevant. Einen Akteur im Russland des 19. Jahrhunderts als Mitglied der Arbeiterklasse zu klassifizieren, ist somit insofern höchst problematisch, als auf diese Weise etwas (die Kategorie Arbeiterklasse), welches das zum Erklären benutzte mit dem zu Erklärenden verwechselt wird. Damit verkehrte sich die Erkenntnislogik um: erst wenn die soziale Wirklichkeit von den Handelnden erkannt und angeeignet wird, wird diese zu einer Bezugsgröße. Somit gerieten die bisher eingeübten Positionen, Narrative, Weltbilder und Erklärungsansätze massiv ins Wanken.

Zu den wichtigsten Messverfahren dieser neuen Herangehensweise gehört der praxeologische Ansatz; dieser misst die Differenz zwischen den dem Akteur vorgesetzten Normen, Gesetzen oder ritualisierten Vorgaben und den jeweils eigenen Wahrnehmungen und Handlungen. Häufig wird in diesem Kontext von der doppelten Konstitution von Wirklichkeit bzw. auch den zwei Ordnungen von Wirklichkeit gesprochen. Gemeint ist damit also einmal die vermeintlich reale, vielmehr aber die von einer Mehrheit akzeptierte, Konstruktion von Wirklichkeit und einmal die eigene, individuelle, akteursspezifische Abbildung von Wirklichkeit und Sinn-Logik. Allerdings ist mit diesem Zugang der steinige Weg aufwändiger Quellenkritik verbunden. Da wir die im Akteur ablaufenden Denk-, Fühl- und kognitiven Ordnungsprozesse bekanntlich nicht unmittelbar messen und beobachten können, sind wir darauf angewiesen, indirekt dessen innere Lebenswelt aufzuschlüsseln.[24]

Derart konzeptionell gestählt schauen wir noch einmal auf das Phänomen Zeit und Zyklus[25].

Wie bereits eingangs erwähnt sind nicht nur in historischen Epochen, sondern auch heutzutage Abweichungen von der genormten Zeit, der Zeitzählung 1. Ordnung also, Abweichungen die Regel. Diese Abweichungen betreffen zunächst einmal andere Kulturen, andere Milieus (Bauer, Handwerker, Banker, Universität, Stadt, Land). Diese regionalen oder lokalen Kulturen und Milieus haben in Abgrenzung zur Weltzeit wiederum eigene Zeitzählsysteme entwickelt[26]. Damit bilden diese eine relational verbundene weitere 1. Ordnung und strukturieren Akteuren über normative Vorgaben interindividuelle Rhythmen. Es herrscht also sozusagen eine Pluralität normierter Zeiten und Zyklen in Vergangenheit und Gegenwart vor. Akteure können dabei ohne weiteres verschiedene Zeitzyklen und Messvorgaben miteinander kombinieren und je nach Tätigkeit und Umfeld mal diesen, mal jenen Zeitzyklus für sich in Anspruch nehmen. Dieses relationale Beziehungsfeld lässt sich immer weiter ausdifferenzieren, bis hinunter zum einzelnen Akteur bzw. Organismus. Auf dieser Ebene hat die Chronobiologie wichtige Erkenntnisse gewonnen, untersucht diese Disziplin doch die zeitliche Organisation physiologischer Prozesse und wiederholter Verhaltensmuster von Organismen. Biologische Rhythmen würden häufig von einem schwingenden Teilsystem des Organismus erzeugt, der sogenannten inneren Uhr. Durch (äußere) Einflüsse, die sogenannten biologischen Zeitgeber, wird seine Taktlänge an Veränderungen in der Umgebung angepasst, zum Beispiel an den zeitlich schwankenden Tag-Nacht-Zyklus. Licht und Temperatur gelten als wichtige Zeitgeber[27].

In kulturalistischer Perspektive und mittels Anwendung des praxeologischen Ansatzes haben Historiker und Historikerinnen in jüngster Zeit etliche Belege für die Reichweite von Zeitpraktiken und Zeitvorstellungen einerseits, für die Eigenwilligkeit akteursspezifischer Zeitvorstellungen andererseits gefunden. So hat etwa Kaspar von Greyerz anhand einer Untersuchung englischer Tagebücher im 17. Jahrhundert herausgefunden, dass die Orientierung an verschiedene Lebenswelten seinen entsprechenden Widerhall in der Wahrnehmung und Thematisierung von Zeit findet. Jan Peters wiederum hat herausgestrichen, wie sehr sich bäuerliche Zeitzyklen von denen in der Stadt unterschieden und sich damit Zeitgefühl und Zeitsprache vornehmlich an den praktischen Anforderungen orientierten[28]. Auf ebenso beeindruckende Weise haben etwa Alexander Schunka auf die argumentative Funktion von Zeitzyklen bei Zuwanderern im Kursachsen des 17. Jahrhunderts oder Thomas Duve auf die juristische Bedeutung von Lebenszyklen im frühneuzeitlichen Rechtsverständnis verweisen können.[29]

Auf Änderungen der Zeitstrukturen in frühneuzeitlichen Universalgenealogien macht Volker Bauer ebenso aufmerksam wie Stefan Hanß auf Praktiken der Geburtsdatierungen in frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen oder Ralf-Peter Fuchs auf Zukunftsdiskurse im Dreißigjährigen Krieg[30].

Der Romanist Benedikt Seher spricht in diesem Kontext von drei Zeiten[31]: er benennt erstens die Eigenzeit der Natur (hier werden raumzeitliche Veränderungen wie Abend, Nacht, Sommer, bezeichnet), zweitens die B-Zeit, also Zählvorgänge, in Form von Kalendern gegossene abstrakte Zeit als Zahlbegriff mit ihren verbindlichen Konventionen sowie drittens die A-Zeit als Form subjektiven Zeitempfindens. Der Sozialpsychologe Olaf Morgenroth entwickelt, in enger Anlehnung an Seher, ein biopsychosoziales Rahmenmodell, in dem er biologische, psychologische und soziokulturelle Faktoren für das menschliche Zeitbewusstsein verantwortlich macht; die Gemengelage dieser Faktoren sei dabei die Ursache für bestehende Zeitkonflikte[32].

Die Analyse von Metaphern im Sinne von George Lakoff und Mark Johnson[33] bzw. nun auch der Frame-Forscherin Elisabeth Wehling[34] offenbaren dabei wie Menschen Raum und Zeit sprachlich miteinander in Bezug setzen. Mit sogenannten Orientierungsmetaphern, die präpositional angebunden werden, liegen vergangene Zeiten hinter uns, zukünftige vor uns: fortan, langlebig, kürzlich, endlos, nachdem, bis heute, an Ostern. Zeit wird fließend sprachlich gefasst. Zeit verstreicht, Zeit fließt, vergeht, rast, rinnt, steht still.

4. Fazit und Ausblick

Nach diesen vielen Aspekten möchte ich ein Fazit zu ziehen versuchen und einen Ausblick wagen. Zeit ist für uns nicht fühlbar, wir haben keinen Sensor, keine Netzhaut oder kein Trommelfell für das Verfließen von Zeit. Zwar unterliegt unser Organismus evolutionär bedingten Steuerungszyklen und biologischen Rhythmen auf zellularer Ebene, jedoch entziehen sich diese Vorgänge unserem kognitiven Einfluss und unserem Bewusstsein, so dass wir allenfalls indirekt spüren könnten, etwa durch Müdigkeit, das unser Zyklus aus seinem angestammten Rhythmus geraten ist.

Insofern stammen auch die naturwissenschaftlichen Beschreibungsversuche von Zeit lediglich einer bestimmten Wissenschaftskultur, die mit bestimmten Konstruktionen und Vorannahmen operiert und auf diese Weise über Messungen Erkenntnisse zu gewinnen hofft.

Letztlich leben wir physisch stets nur in der Jetztzeit, im Augenblick, in der Sekunde, in der ein Reiz auf unser Gehirn trifft und dort verarbeitet wird. Stattdessen nehmen wir Zeit nur im Nachhinein wahr, durch die Veränderung des Vorherigen und die damit verbundene Prognose kommender Zeiten. Wiederkehrende, sich wiederholende Vorgänge beinhalten für uns eine spezifische Temporalität. Evolutionsbiologisch haben wir gelernt, im Naturgeschehen Regelmäßigkeiten, verlässliche Zyklen zu erblicken und uns danach zu verhalten. Planbarkeit und Vorhersagen erwiesen sich somit als evolutionärer Vorteil. Die zentrale Wahrheit unserer Existenz, das Kommen, Werden und Vergehen, begleitet uns unser Leben lang, so dass die fundamentalen Fragen nach dem woher komme ich und wohin gehe ich, in eine enge Verquickung mit magisch-religiösen Kontexten und komplexen Verarbeitungsmechanismen geführt hat.

Wir selbst konstruieren uns, unsere Identität, rückwärts gewandt, in der Erinnerung, bauen uns Bündel von Zeit und verbinden diese mit unserer Biographie. Erst mit der Verquickung von Zeit und Raum erschließen wir uns Logiken der Selbstkonstitution.

Schließen möchte ich mit einem Zitat des Philosophen und New Age Gurus Robert M. Pirsig (1928-2017)[35]:

„Die Vergangenheit kann sich nicht der Vergangenheit entsinnen. Die Zukunft kann nicht die Zukunft hervorbringen. Die Schneide eben dieses Augenblicks, des Hier und Jetzt, ist nie weniger als die Totalität alles Seienden.“

 

[1] Vgl. im folgenden dazu den Bericht von Irene Geuer vom Deutschlandfunk, Vor oder zurück? Die emotionale Debatte über die Sommerzeit, gepostet am 24.3.2018: http://www.deutschlandfunk.de/vor-oder-zurueck-die-emotionale-debatte-ueber-die-sommerzeit.724.de.html?dram:article_id=413912. Die Hintergründe der Sommerzeit und die damit verbundene Argumentationsvielfalt der Zeitpolitik leuchtet aus Mathias Mutz, Der Mehrwert einer Stunde. Deutungen der Sommerzeit im 20. Jahrhundert im Vergleich, in: Katja Patzel-Mattern, Albrecht Franz (Hg.), Der Faktor Zeit. Perspektiven kulturwissenschaftlicher Zeitforschung, Stuttgart 2015, S. 139-171.
[2] Umberto Eco, Der Name der Rose. Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber, Frankfurt/Main 1984, S. 131.
[3] Vgl. im folgenden Niedersächsisches Hauptstaatssarchiv Hannover Hann. 93, Akte 2630. Zudem Markus Meumann, Ralf Pröve, „… nicht Palatia, sondern Waysenhäußer …“ Pläne und zeitgenössische Vorstellungen zur Anlegung eines Waisenhauses in Moringen 1731-1733, in: Plesse-Archiv 27 (1991), S. 33-48.
[4] Klaus E. Müller, Zeitkonzepte in traditionellen Kulturen, in: ders., Jörn Rüsen (Hg.), Historische Sinnbildung. Problemstellungen, Zeitkonzepte, Wahrnehmungshorizonte, Darstellungsstrategien, Hamburg 1997, S. 221-239, hier S. 221.
[5] Vgl. etwa Hans Lenz, Universalgeschichte der Zeit, 3. überarbeitete Auflage, Wiesbaden 2017.
[6] „Das Erblühen und Verblühen bestimmter Pflanzen, das Abfallen von Früchten und Blättern, Ankunft und Abflug der Vögel, Winterschlaf, Brunftzeit und Fortpflanzung der Tiere schufen einen phänologischen Kalender“, vgl. dazu Kazimierz Piesowicz, Lebensrhythmus und Zeitrechnung in der vorindustriellen und in der industriellen Gesellschaft, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 31 (1980), S. 465-485, hier S. 468.
[7] Vgl. dazu etwa Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller, Die Autorität der Zeit, in: dies. (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 9-22, hier S. 10. Vgl. auch Gerhard Dohrn-van Rossum, Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitordnungen, München 1992; Gerald J. Whitrow, Die Erfindung der Zeit, Hamburg 1991; oder Armin Nassehi, Die Zeit der Gesellschaft. Auf dem Weg zu einer soziologischen Theorie der Zeit, Wiesbaden 2008.
[8] Einen guten Überblick verschafft Anna-Dorothee von den Brincken, Historische Chronologie des Abendlandes. Kalenderreformen und Jahrtausendrechnungen. Eine Einführung, Stuttgart 2000. Vgl. auch den knappen Überblick bei Thomas Vogtherr, Zeitrechnung. Von den Sumerern bis zur Swatch, München 2006.
[9] Vgl. hierzu Jörg Rüpke, Zeit und Fest. Eine Kulturgeschichte des Kalenders, München 2006, S. 33. Vgl. auch Karl Beyer, Antike Zeitmessung. Die Kalenderreform des Caius Iulius Caesar, in: Markwart Herzog (Hg.), Der Streit um die Zeit. Zeitmessung, Kalenderreform, Gegenzeit, Endzeit, Stuttgart 2002, S. 35-64. Die verschiedenen Vorläufer des römischen Kalenders beschreibt Udo W. Scholz, Der römische Kalender. Entstehung und Entwicklung, Mainz 2011.
[10] Detaillierte Angaben finden sich bei Dirk Steinmetz, Die Gregorianische Kalenderreform von 1582. Korrektur der christlichen Zeitrechnung in der Frühen Neuzeit, Oftersheim 2011.
[11] Vgl. etwa Edith Koller, Die Suche nach der richtigen Zeit. Die Auseinandersetzungen um die Autorisierung der Gregorianischen Kalenderreform im Alten Reich, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 233-255; sowie Ralf-Peter Fuchs, Die Autorität von ‚Normaljahren‘ bei der kirchlichen Neuordnung nach dem Dreißigjährigen Krieg. Das Fürstbistum Osnabrück und die Grafschaft Mark im Vergleich, in: ebd., S. 353-374. Vgl. dazu auch Rudolf Wendorff, Tag und Woche, Monat und Jahr. Eine Kulturgeschichte des Kalenders, Opladen 1993.
[12] Vgl. zum Kalenderstreit sowie zur Kultur von Kalenderdrucken Achim Landwehr, Die frühneuzeitliche Datumsgrenze. Zur Konstitution politischer Zeit-Räume im Alten Reich, in: ders. (Hg.), Grenzerfahrungen, Düsseldorf 2015, S. 99-118; sowie kompakt und detailliert ders., Geburt der Gegenwart. Eine Geschichte der Zeit im 17. Jahrhundert, Frankfurt/Main 2014.
[13] Vgl. dazu ausführlich Michael Meinzer, Der französische Revolutionskalender (1792-1805). Planung, Durchführung und Scheitern einer politischen Zeitrechnung, München 1992.
[14] Korea-Konflikt: Nordkorea und Südkorea gleichen Uhrzeit an, in: Zeitonline vom 5. Mai 2018. https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-05/korea-konflikt-suedkorea-nordkorea-zeitumstellung-angleichung. Letzter Zugriff am 5.5.2018.
[15] Die Kirchturmuhr spielte bis in das 20. Jahrhundert hinein eine entscheidende Bedeutung für die Rhythmisierung lokaler Räume, vgl. dazu Alain Corbin, Die Sprache der Glocken. Ländliche Gefühlskultur und symbolische Ordnung im Frankreich des 19. Jahrhunderts, Frankfurt/Main 1995.
[16] Verordnung vom 6. März 1719, in: Christian Otto Mylius (Hg.), Corpus Constitutionum Marchicarum, Berlin und Halle, 1737-1755. Vgl. zudem Holger Th. Gräf, Ralf Pröve, Wege ins Ungewisse. Eine Kulturgeschichte des Reisens, 1500-1800, Frankfurt/Main 2015, bes. S. 243-256.
[17] Vgl. hierzu ausführlich Karl Härter, Zeitordnungen und ‚Zeitverbrechen‘. Reglementierung, Disziplinierung und Fragmentierung von Zeit in der frühneuzeitlichen Policeygesetzgebung, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 187-232.
[18] Vgl. etwa Stefan Ehrenpreis, Zeitkonzepte im frühneuzeitlichen Erziehungs- und Schulwesen, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 171-186.
[19] Vgl. etwa hierzu Achim Landwehr, Zeit und Militär in der Frühen Neuzeit. Unsystematische Beobachtungen, in: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 21 (2017), S. 7-30; Anja Schumann, Zeit zum Schlafen? Zum Verhältnis von Nacht und Ruhe im frühneuzeitlichen Militär, in: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 21 (2017), S. 31-55; sowie Anke Fischer-Kattner, Zeit-Not/Not-Zeit. Temporale Perspektiven auf den Belagerungskrieg im 17. Jahrhundert, in: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 21 (2017), S. 57-95.
[20] Hermann Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, 14. Auflage, Hannover 2007.
[21] Das Problem lotet etwa aus Micha Brumlik, Zeitbegriffe und Urteilsvermögen in der Ontogenese des Geschichtsbewußstseins, in: Jürgen Straub (Hg.), Erzählung, Identität, und historisches Bewußtsein. Die psychologische Konstruktion von Zeit und Geschichte. Erinnerung, Geschichte, Identität, Frankfurt/Main 1998, S. 226-233.
[22] Dieses Problem vertieft Achim Landwehr, Von der ‚Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen‘, in: Historische Zeitschrift 295 (2012), S. 1-34. Vgl. auch ders., Die vielen, die anwesenden und die abwesenden Zeiten. Zum Problem der Zeit-Geschichte und der Geschichtszeiten, in: Fernando Esposito (Hg.), Zeitenwandel. Transformationen geschichtlicher Zeitlichkeit nach dem Boom, Göttingen 2017, S. 227-253.
[23] Vgl. dazu etwa Ingrid Gilcher-Holtey, Kulturelle und symbolische Praktiken. Das Unternehmen Pierre Bourdieu, in: Wolfgang Hardtwig (Hg.), Kulturgeschichte Heute, Göttingen 1996, S. 111-130 oder Reinhard Sieder, Sozialgeschichte auf dem Weg zu einer historischen Kulturgeschichte?, in: Geschichte und Gesellschaft 20 (1994), S. 445-468.
[24] So versteht Sieder, Sozialgeschichte, S. 449, unter Kultur „die Ebene der Wahrnehmungen, Bedeutungen und Sinnstiftungen, sowie ihr symbolischer Ausdruck in Texten, Bildern, Gegenständen, Ritualen, Gesten usw.“.
[25] Für einen kulturwissenschaftlichen Zeitbegriff plädieren etwa Albrecht Franz und Katja Patzel-Mattern: Annäherungen an einen kulturwissenschaftlichen Zeitbegriff, in: dies. (Hg.), Der Faktor Zeit. Perspektiven kulturwissenschaftlicher Zeitforschung, Stuttgart 2015, S. 7-12.
[26] Ein interessantes Beispiel für das Nebeneinander konkurrierender Zeitsysteme bietet Sebastian-Manés Sprute, U(h)reigene Zeiten. Grenzen der Implementierung von europäischen Zeitnormen in Senegal 1890-1930, in: Katja Patzel-Mattern, Albrecht Franz (Hg.), Der Faktor Zeit. Perspektiven kulturwissenschaftlicher Zeitforschung, Stuttgart 2015, S. 77-105.
[27] Vgl. hierzu etwa Till Roenneberg, Die Bedeutung der Chronobiologie für unser Leben, Köln 2010; oder Peter Spork, Das Uhrwerk der Natur. Chronobiologie – Leben mit der Zeit, Reinbek 2004. Diese Mechanismen werden in Medizin und Ökonomie umgesetzt. Dazu einige Beispiele: Björn Lemmer, Chronopharmakologie. Tagesrhythmen und Arzneimittelwirkung, Stuttgart 2004; Michael Wieden, Chronobiologie im Personalmanagement, Wissen, wie Mitarbeiter ticken, 2. Auflage, Wiesbaden 2016; oder Achim Leder, Komfortgewinn für Passagiere auf Langstreckenflügen. Validierung chronobiologisch wirksamer Kabinenbeleuchtung zur Jetlag-Reduktion, Wiesbaden 2016.
[28] Vgl. Kaspar von Greyerz, Tagebuch und Zeitbewusstsein im 17. Jahrhundert: Englische Beispiele, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 119-131; sowie Jan Peters, Die Recht-Zeitigkeit bäuerlichen Lebens und Arbeitens. Wiederholen oder Verändern?, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 133-147, hier S. 145: „Die Zyklizität des Daseins war keinem Bauern fremd, aber kein Landmann empfand diese als eine Art Stillstand des Wiederholens.“
[29] Vgl. Alexander Schunka, Zeit des Exils. Zur argumentativen Funktion der Zeit bei Zuwanderern im Kursachsen des 17. Jahrhunderts, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 149-168; oder Thomas Duve, Die Bedeutung des Lebensalters im frühneuzeitlichen Recht, in: Arndt Brendecke, Ralf-Peter Fuchs, Edith Koller (Hg.), Die Autorität der Zeit in der Frühen Neuzeit, Berlin 2007, S. 93-116.
[30] Vgl. dazu Volker Bauer, Baum und Zeit. Datenorganisation, Zeitstrukturen und Darstellungsmodi in frühneuzeitlichen Universalgenealogien, in: Achim Landwehr (Hg.), Frühe Neue Zeiten. Zeitwissen zwischen Reformation und Revolution, Bielefeld 2012, S. 41-82; Stefan Hanß, „Bin auff diße Welt gebohren worden“. Geburtsdatierungen in frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen, in: Achim Landwehr (Hg.), Frühe Neue Zeiten. Zeitwissen zwischen Reformation und Revolution, Bielefeld 2012, S. 105-153 sowie Ralf-Peter Fuchs, Gegen die Apokalypse? Zukunftsdiskurse im Dreißigjährigen Krieg, in: Achim Landwehr (Hg.), Frühe Neue Zeiten. Zeitwissen zwischen Reformation und Revolution, Bielefeld 2012, S. 237-259.
[31] Vgl. im folgenden Benedikt Seher, Die Zeit ist das Pulsieren des Raums. Eine interdisziplinäre Synthese, in: Eva Kimminich (Hg.), Metaphern der Macht, Macht der Metapher, Aachen 2008, S. 171-199.
[32] Olaf Morgenroth, Zeitkonflikte und das menschliche Zeitbewusstsein, in: Katja Patzel-Mattern, Albrecht Franz (Hg.), Der Faktor Zeit. Perspektiven kulturwissenschaftlicher Zeitforschung, Stuttgart 2015, S. 35-51.
[33] George Lakoff, Mark Johnson, Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern, Heidelberg 2011.
[34] Vgl. Elisabeth Wehling, Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht, Köln 2016.
[35] Vgl. seinen Roman: Zen oder die Kunst ein Motorrad zu warten (Originaltitel: Zen and the Art of Motorcycle Maintenance. An Inquiry into Values. New York 1974, übersetzt von Rudolf Hermstein), Frankfurt/Main 1976.