Folgender Text ist mein Beitrag zu der Ringvorlesung Raum und Zahl an der Universität Potsdam (Januar 2014)

Numerische Zeichen und die Repräsentation von Sinn.
Zahlen und Zeit-Räume im Spiegel der Wissenschaft von vergangenen Zeiten

Ralf Pröve

 I. Einleitende Bemerkungen

 Ich möchte zunächst einmal dem Kollegen Herrn Hans-Joachim Petsche sehr herzlich danken für die Initiative zur und die Organisation der Ringvorlesung. Ein zentrales Thema quer von allen akademischen Disziplinen beleuchten zu lassen, finde ich sehr gut. Es kann dazu dienen, die Scheuklappen des eigenen Fachs zu überwinden und über den Tellerrand der eingeübten disziplinären und also wissenssoziologisch definierten Vorannahmen zu schauen[1]. Dieses kreative, unangepasste, zuweilen auch spielerisch-ausprobierende Denken ohne Scheuklappen und Vorannahmen ist, so glaube ich, der wahre Kern, der ursprüngliche Charakter einer Universität.

Obwohl ich hier für die Position der Geschichtswissenschaftler einstehen soll und wohl in einigen Bereichen dies vielleicht auch tue, so gilt es doch festzuhalten, dass ich hier nur für mich sprechen kann. Ich sehe mich als historisch arbeitenden Kulturwissenschaftler, der die Beziehungen und Netzwerke zwischen Akteuren und deren Eingebundenheit in ganz vielfältige Kontexte untersucht. Zugleich finde ich es sehr herausfordernd zu schauen, wie sehr Geschichte erzählt wird, wie aufschlussreich historiographische Entwicklungen sind. Insbesondere der Konstruktivismus eröffnet hier mit seinen verschiedenen Ansätzen faszinierende Perspektiven[2].

Mein Name ist Ralf Pröve und Facetten meiner physischen Präsenz werden von ganz vielen Zahlen repräsentiert:

Alter, Größe, Gewicht, Bodymaßindex, Postleitzahl, Steuernummer, Personalausweisnummer, Sozialversicherungsnummer, Telefonnummer, Hausnummer, IP-Adresse, Bankverbindung mit SEPA, IBAN und BIC; bereits diese unvollkommene Aufzählung enthält insgesamt 101 Ziffern. Die Kombinationen fungieren als Stellvertreter für jeweils ganz unterschiedliche Kontexte, Repräsentationen und Sinngebungen.

Mein Thema ist der Konstruktionscharakter von Zahlen, von bezifferter Zeit und Zeiträumen. Dabei möchte ich unterschiedliche Perspektiven benennen, auch jene in der Logik des Faches Geschichtswissenschaft.

Ich weiß, dass es Unterschiede zwischen Ziffern und Zahlen gibt und ich vermute, dass dies an anderer Stelle der Ringvorlesung bereits im Mittelpunkt stand. Ziffern sind Zahlzeichen, dienen der Darstellung von Zahlen, Zahlen sind abstrakte, mathematische Objekte – Objekte des Denkens –, die sich historisch aus Vorstellungen von Größe entwickelten[3].

Für meine folgenden Überlegungen wird diese semantische Differenz aber nicht wirklich eine Rolle spielen.

Ich möchte im folgenden in drei Schritten vorgehen, die eigentlich Ebenen oder Denk-Räume darstellen und die das Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln fokussieren.

Zunächst soll die Verwendungspraxis von Zahlen in Vergangenheit und Gegenwart beschrieben werden. Wie präsent, wie allgegenwärtig im gestern und im heute sind sprachliche Repräsentationen von Zahlen? Es geht also um den Gebrauch, die Funktion, den konstruierenden Einsatz von Zahlen; hierbei wird das Hauptaugenmerk auf die Akteure[4] bzw. auf deren sprachliche Kondensate, also die Quellen, gelegt.

In einem zweiten Schritt wende ich mich Zahlen-Praktiken von Historikern und also Konstruktions-Konventionen der Geschichtswissenschaft zu. Hier möchte ich sowohl wissenssoziologische Muster als auch strukturbedingte Faktoren berücksichtigen.

Die dritte Ebene schließlich öffnet die Grenzen zwischen den ersten beiden Ebenen, jene zwischen Akteur, also Untersuchungsobjekt auf der einen, und dem Forscher, dem analysierenden Subjekt auf der anderen Seite.

Indem ich dies tue, auflöse, eröffne ich mittels des praxeologischen Ansatzes[5] und Ideen des sozialen Konstruktivismus den Blick auf ein grenzüberschreitendes Interpretationsangebot.

 II. Zahlen als sinnhafte Repräsentationen: die Akteure

 Beginnen wir mit einem Blick in die Tiefen vergangener Zeiten, auf den historischen Gebrauch von Zahlen.

Zu den großen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts zählt das über 50bändige Werk „Großes Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste“ des Leipziger Herausgebers Johann Heinrich Zedler[6].

Schlägt man hier einmal unter dem Stichwort Hering nach, so erfährt man Erstaunliches: Der Heringsfang der Holländer ergibt jährlich 800.040.000 Tiere[7].

Wir sind erstaunt und verwundert, eigentlich misstrauisch. Stimmt diese Zahl? Kann sie stimmen? Welchen Realitätswert, welchen Wahrheitsgehalt hat eine solche Zahl? Ist sie die Ausgeburt eines Phantasten? Gibt es einen symbolischen Hintergrund?

Offenbar, so stellen wir fest, handelt es sich trotz oder auch wegen der exakten Bezifferung einer spezifizierten Menge nicht um die Abbildung von Realität!

Wozu aber dann diese Information? Ein Gefühl, ein Bedürfnis, eine nicht nachvollziehbare Form von Sinngebung? Was wird hier repräsentiert?

Diese offensichtliche Differenz zwischen Sprachhandeln und Realitätsabbildung bei Zahlwörtern findet sich recht häufig.

Dazu müssen wir nicht einmal in weit entfernte Zeiten reisen; vielmehr stoßen wir auch in der jüngsten Vergangenheit oder in der Gegenwart auf ähnliche Phänomene.

Gerade im religiös-magischen Kontext finden wir viele Belege. Etwa die Unheil verkündende „13“.

Oder die 666, die Zahl des Teufels.

Magische Kontexte von Zahlen beschreiben zum Beispiel die Numerologie und Zahlenmystik[8]. 12 vereint die Zahl der Apostel, die Heilige Trinität die drei, sieben die Zahl der Tugenden und der Sünden, vier die der Evangelisten. Es gibt eine extrem breite Semantikvarianz einzelner Zahlwörter. Ich greife zur Illustration ein populäres Beispiel auf, den Spielfilm „23“ aus dem Jahre 1998 mit August Diehl in der Hauptrolle[9].

Der Held des Films, Karl Koch, war ein Mensch, den magische Ideen jenseits des Offensichtlichen faszinierten. Er beschäftigt sich mit der Verschwörungstheorie, der zufolge Freimaurer die globale Macht übernommen haben und den Dritten Weltkrieg anzetteln wollen. Gleich mehrere Indizien, die sich im wesentlichen um die Zahl 23 und ihre Quersumme fünf drehen, addieren sich da zum vermeintlichen Beweis: Zum Beispiel soll der Begründer der Freimaurer, Adam Weishaupt, dessen Nachname mit dem 23. Buchstaben des Alphabets beginnt, in den USA George Washington ermordet haben und an dessen Stelle erster Präsident geworden sein. Als Beleg für diese These dient die amerikanische Dollarnote, auf der eine Pyramide – das fünfeckige Symbol der Freimaurer – zu sehen ist. Desweiteren werden Belege für die verschwörerische Bedeutung der Zahl 23 in folgenden Beispielen im Film angeführt:

Der Anfangsbuchstabe von Washington und dem „White House“ ist der 23. des Alphabets. Das Herzstück des amerikanischen Militärs sitzt in einem Pentagon – einem Fünfeck.

Am 23. 5. trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

Schließlich entdeckt der Held, wie häufig im Alltag die 23 vorkommt, wie zum Beispiel auf Werbetafeln. Auch scheinbar zufällig geschehene politische Ereignisse bekommen durch diese Zahl einen verschwörerischen Hintergrund: So soll der schwedische Premierminister Olof Palme exakt um 23:23 Uhr ermordet worden sein, und die in die Luft gesprengte Berliner Discothek „La Belle“ die Hausnummer 23 getragen haben.

Soweit die Einblicke in den Spielfilm 23.

Wir denken auch an die Mystik-Stories eines Dan Brown (Illuminati, Da-Vinci-Code) oder an den furiosen Mittelalter-Roman Der Name der Rose von Umberto Eco. Hier spiegeln Zeichen von Zahlen, gebaute Zahlen und andere verdeckte Zahl-Symbole eine entscheidende Rolle.

Um den Konstruktionscharakter von Zahlen, und überhaupt des Zählens ganz allgemein, noch einmal ganz anders zu verdeutlichen, möchte ich auf die kulturellen Praktiken der Pirahã verweisen, einem indigenen Volk im Amazonasgebiet Brasiliens. Wie wir einem auf YouTube geposteten kleinen Filmausschnitt entnehmen können, gibt es für diese Menschen nur die Einzahl und die Mehrzahl[10].

Wir halten also folgendes fest, ziehen ein erstes Resümee:

In der Welt der Akteure, egal in welcher Zeit oder in welchem Kulturkreis, also in der Welt des Betrachteten, des Forschungsgegenstands, sind Zahlenangaben nicht einfach nur falsch oder fehlerhaft, haben scheinbar einen Mangel, einen Minderwert. Sie scheinen zugleich auch einen kulturellen Mehrwert zu beinhalten, sind Vehikel und Transportmittel für weitere kulturell kodierte Semantiken. Die Akteure in Vergangenheit und Gegenwart nutzen Zahlen, Zahlwörter offenbar längst nicht nur zur bloßen Verständigung über einen mathematischen Sachverhalt.

Bevor wir uns Gedanken machen über mögliche Ursachen und weiter führende Erklärungsansätze sollten wir nun die andere Seite, die Welt der Beobachter und Analytiker, also die der Forscher und Historiker ausleuchten.

 III. Zahlen als sinnhafte Repräsentationen: die Historiker

 Zahlen spielen eine zentrale Rolle im Leben eines Historikers, sie erfüllen aber auch eine fundamentale Funktion. Als Jahreszahl dient sie als Label, als Kommunikationsmittel, als Verständigungszeichen. Sie steht sowohl für eine gewaltige Reduktion komplexer Vorgänge als auch symbolhaft für weiter führende Interpretationen.

Es ist symptomatisch, wenn der spanische Historiker Armesto das Thema seines voluminösen Bandes auf dem Titelumschlag mit der Zahl 1492 visualisieren lässt[11].

Hinter dieser Zahl, dieser Zeitangabe, lassen sich eine ganze Reihe von Wissenschaftsdiskursen und Interpretationsangeboten subsummieren bzw. werden mit dieser Zahl repräsentiert. 1492 – Neue Welt, Entstehung der spanischen Weltmacht, dann der US-amerikanischen Supermacht, Sklaverei, Lateinamerika, Untergang der indigenen Indianerkulturen, das Genre des Western, die Verbreitung von Mais, Tomate, Kartoffel. Das Angebot der Semantiken und Assoziationen ist unabsehbar.

Wir halten uns vor Augen: Den astronomisch-physikalischen Jahrmilliarden umfassenden Kontext einer Sonnenumrundung der Erde haben Menschen kalendarisch in Zeichen, in Zahlen, in Jahren transformiert.

Vergangenheit ist eine physikalische Größe, die zu Geschichte, einer Vielzahl von Menschen konstruierter Erzählungen, gemacht wird.

Somit wird ein kulturell konstruierter Mehrwert abgeleitet, das Jahr 1492, physikalisch eine von vielen Milliarden Umrundungen, in diesem Fall versehen mit der Maßgabe der Anlandung von Kolumbus in der Neuen Welt, mit allen Folgeinterpretationen/erzählungen.

Derartige Basiskonstruktionen werden überlagert von vielen weiteren Konstruktionsschichten. So werden zum Beispiel Regierungsjahre von Herrschern gleich mindestens doppelt konstruiert, gezählt.

Ebenso werden Jubiläen zeichenhaft genutzt, um über ästhetisch-arithmetisch gerundete Zahlen, 100 Jahre, 500 Jahre oder 1000 Jahre (manchmal auch halbrunde Zahlen wie 25, 75 oder 150 usw.), Bedeutung zu schaffen, zu konstruieren. Diese Bedeutung wird längst nicht nur wissenschaftlich genutzt. Jubiläen eignen sich auch als Vehikel für andere Interessenlagen. So feiern Unternehmen, Vereine, Kommunen oder Staaten runde Geburtstage zur eigenen Legitimation oder zur Ankurbelung des Geschäfts; politische und ökonomische Interessen gehen dabei Hand in Hand. Zur Zeit überbieten sich beispielsweise die Medien wort- und bildgewaltig zum Thema Erster Weltkrieg (1914-2014).

Historiker arbeiten in Denk-Räumen, in geschaffenen Epochen, in Zeiträumen. Da gibt es die Antike (1000 v. C. bis 500 n. C.), das Mittelalter (500-1500), die Frühe Neuzeit (1500-1800), die industrielle Moderne oder die Zeitgeschichte (seit 1945 bzw. 1990). Natürlich, derartige Konstruktionen von Historikern haben in erster Linie konkrete, nachvollziehbare Funktionen. Es geht um Verständigung, um eine Gliederung des Faches, um Zuordnungen. Es sind aber trotz allem Konstruktionen, Erfindungen mit semantisch aufgeladenem Nebensinn[12].

Wie sehr Epochenbegriffe konstruiert sind, wie sehr sie historisiert sind, eingebunden in die ideologischen Diskurse der jeweiligen Zeit vermittelt der Epochenbegriff „Gegenreformation“, eine Zeiteinteilung, die einen eher kleineren Zeitraum umfasst[13].

Gegenreformation steht als Bezeichnung für den Zeitraum von 1555 bis 1648. Ursprünglich wurde der vermutlich von dem Historiker Johann Stephan Pütter in den 1770er Jahren geschaffene Terminus für die „gewaltsame Rückführung eines protestantischen Gebietes zur katholischen Religionsausübung“ verwendet. Seit Beginn der 1830er Jahre prägte dann Leopold von Ranke, vom eigenen Erleben der vormärzlichen „Restauration“ sensibilisiert, den Begriff um und bezeichnete damit jene aus seiner Sicht „restaurative“, also konservative, kirchlich-religiöse Sammlungsbewegung, die er im genannten Zeitraum auch politisch dominieren sah. Dementsprechend führte er Gegenreformation schließlich erstmals 1843 als Epochenbegriff ein. Im Zuge des preußisch-österreichischen Gegensatzes im 19. Jahrhundert und der Zuspitzungen im Kirchenkampf, als sich preußischer Staat und Katholizismus gegenüberstanden, wurde dieser Periodisierungsbegriff als politischer Kampfbegriff aufgegriffen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird er stark relativiert, findet sich zuweilen aber immer noch unreflektiert in neueren Arbeiten.

Historiker neigen aber nicht nur beim Einsatz von Zahlen als Jahreszahlenziffern und der Bildung von Epochenräumen zur Metakonstruktion, zur spezifischen Sinnbildung. Sie setzen auch Zahlen als vermeintlichen Beleg für eine bestimmte geschichtsmächtige Kraft ein.

Um dies zu erläutern, muss ich ein wenig ausholen.

Wie schon erwähnt, Vergangenheit ist passiert, stellt eine physikalische Größe dar, Geschichte wiederum wird erzählt, von Menschen konstruiert.

Entsprechend besteht das Fach aus vielen Erzählungen, zeitgebundenen Sinndeutungen. Je nach geschichtsphilosophischer Grundannahme werden bestimmte Kräfte als geschichtsmächtig ausgemacht. Als Produkte von Erzählstrategien bündeln und kondensieren bestimmte Meta-Diskurse die Vorstellungen von Geschichtsmächtigkeit. Es lassen sich dabei im Laufe der letzten hundert Jahre drei Hauptströmungen ausfindig machen.

Bis vor wenigen Jahrzehnten dominierte eine ereignis- und personenzentrierte Vorstellung. Große Männer, Politiker, Generäle oder Wissenschaftler hätten den Geschichts-Prozess vorangetrieben. Diese historischen Figuren (Bismarck, Friedrich II., Kant, Caesar) wurden sozusagen aus ihrem Zeitkontext entbunden und auf eine teleologische rote Linie (Moderne, Nationalstaat) getrimmt. Zahlen wurden hier benutzt, um etwa mit Lebensdaten von vermeintlich großen Persönlichkeiten oder mit kleinteiligen Ereignisfixierungen wie Schlachten oder völkerrechtliche Verträge bestimmte Logikabfolgen und Erklärungsmuster zu konstruieren.

Diese geschichtsphilosophische Grundannahme geriet in den 1960er Jahren zunehmend in die Defensive, als der Strukturalismus in die Hörsäle der Geschichtswissenschaft einzog. Letztlich auch ausgelöst durch gesellschaftlich-politische Wandlungen in Westeuropa und Nordamerika in den späten 1960er Jahren wurde der Fokus auf die Gesellschaft gelegt und dem bisher eingeübten Personenkult eine Absage erteilt. Statt einzelne Individuen herauszuheben, wurden nunmehr Strukturen als die wirkungsmächtigen Kräfte ausgemacht, denen die Menschen gleichsam als Marionetten ausgeliefert waren. Unter Strukturen werden Ordnungs-Merkmale verstanden, die jeweils Bereiche des Ökonomischen oder des Sozialen erfassen. Der Strukturalismus behauptet einen logischen Vorrang des Ganzen gegenüber den Teilen und versucht, einen internen Zusammenhang von Phänomenen als Struktur zu fassen[14].

Dahinter steckt also die Vorstellung, dass jenseits der Oberflächen Wahrheiten, Gesetzmäßigkeiten vorhanden sind, die es zu heben gilt. Dieses Verlangen führte unmittelbar zu einer veritablen Konzentration auf numerisches Datenmaterial (Wahlergebnisse, Familiengröße, vitalstatistische Angaben, Steuer- und Einkommenslisten). Publikationen aus dem Geist des Strukturfunktionalismus enthielten immer mehr und immer umfangreichere Tabellenwerke.

Die einmal generierten Zahlen führten zu weiteren Zahlenkonstruktionen. Strukturalisten wurden in der Euphorie darüber, bisher verborgene Geheimnisse zu entdecken, erfindungsreich. Meta-Meta-Zahlwerte wie Transversale Mutterschaftskohorten oder protogenetische Intervalle sind zwei Beispiele für diese Hybris[15].

Die Zahl dient dabei als Anzeiger für komplexe Zusammenhänge, als mächtiges Reduktionsangebot für undurchschaubare Wirkmechanismen.

Die Zahl dient aber auch als Chiffre für Nachprüfbarkeit, für ein naturwissenschaftlich-rechnerisches Verständnis von Wissenschaft. In Abgrenzung zu den als Erzählungen deklarierten Produkten der Vorgänger-Historikergenerationen, die sich mit Ereignissen und einzelnen Personen beschäftigt haben, ergaben sich die Strukturalisten der Illusion hin, nunmehr keine Erzählungen zu produzieren, sondern eben messbare Realität hervorzubringen.

Zum Schluss sei noch vermerkt, dass die Strukturalisten auch Zeiträume zahlenmäßig anders fassen; um langandauernde Strukturprozesse anzuzeigen, wird von der langen Dauer (longue dureé) gesprochen, nicht von einzelnen Jahren, sondern von Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden[16].

Als sich vor etwa 20 Jahren Widerstand gegen den Strukturrealismus regte und der Fokus von Gesellschaft auf Kultur wechselte, wurde insbesondere die Vorstellung einer messbaren Realität als illusionär bezeichnet. Zugleich wurde die Herabstufung der untersuchten Menschen zu Marionetten der Strukturen kritisiert. Den nunmehr als Akteuren bezeichneten Menschen wurde statt dessen ein viel größerer Handlungsspielraum zugebilligt.

Dahinter verbirgt sich die grundsätzliche Vorstellung, dass jeder Akteur immer nur einen Ausschnitt der ihn umgebenden Welt wahrnehmen kann. Eine Rolle spielen dabei die Grundkonzepte des sozialen Konstruktivismus[17]. Zu den Hotspots der Fragestellungen zählen demzufolge die über vielfältige Signale vermittelte und mehrfach gefilterte Informationsflut der Umwelt, die aktiv und passiv auf den Akteur hereinbricht, sowie eben auch die vom Akteur ausgehenden Signale der Verarbeitung dieser Informationen. Prozesse von Wahrnehmung, Erinnerung oder Erfahrung zählten deshalb nicht von ungefähr zu den lange Zeit dominierenden Themen. Dies hat in dramatischer Weise sowohl das Arbeitsfeld als auch das Quellenfundament der Geschichtswissenschaft geprägt.

Die zu untersuchenden Menschen vergangener Zeiten, die Akteure, unterlaufen sowohl einem Aristokratisierungs- als auch einem Demokratisierungsvorgang. Jeder Mensch, jeder Akteur, egal welches Geschlecht, welcher Beruf (König oder Magd) oder welcher Stand, trägt die gleiche Forschungs- und Ergebniswertigkeit.

Zugleich sind die vermeintlich Großen der Welt, die Potentaten, aber eben auch nur Akteure, eingebunden in ihren jeweiligen ganz spezifischen Kontext, in ihrer konstruierten Welt.

Damit verbunden ist ein ganz anderer, viel weiter gefasster Blick auf das Arbeitsmaterial der Historiker, die Quellen. Nunmehr übernehmen auch fiktionale Quellen, Literatur, oder nonverbale Kommunikationsformen eine wichtige Funktion, da etwa Sprache, Symbole und Rituale eminent mächtige Informationsträger zwischen Akteuren bzw. Ausdrucksformen von Umwelt-Akteurs-Interaktion sind.

Nicht nur in den Geschichtswissenschaften, auch in anderen benachbarten Disziplinen hat sich der praxeologischer Ansatz eingebürgert, der eine Kombination von Strukturen und Akteurswahrnehmungen vorsieht.

In dieser Hauptströmung der Geschichtswissenschaft, im Fokus auf Akteur und Kultur, spielen Zahlen nur insofern eine Rolle als sie als Informationsträger einer konkreten Welterfahrung generiert werden. Es geht zuweilen um das Äquivalent von „viel“ oder von „wenig“, es geht um die Versinnbildlichung einer Vorstellung. Als Abbildung von objektiver Realität jedoch verlieren diese massiv an Aussagekraft, da es eben keine objektive, vollständige Beschreibung der Welt geben kann. Die besondere Herausforderung der Geschichtswissenschaft besteht nun darin, stets doppelt analysieren, dekonstruieren zu müssen: einmal auf der Ebene der zu untersuchenden Akteure, und einmal auf der eigenen Ebene, denn ich als Forscher bin ja auch zugleich Akteur und stehe somit selbst in Diskursen und kulturellen Kontexten.

 IV. Zahlen als Zeichen von Sicherheit in einer unüberschaubaren Welt: Resümee und Ausblick

 Ich komme nun zum letzten Punkt. Wir haben zum einen festgestellt, dass die Grenzen zwischen den ersten beiden Ebenen, jene zwischen Akteur, also Untersuchungsobjekt auf der einen, und dem Forscher, dem analysierenden Subjekt auf der anderen Seite, überraschend offen sind, dass beide Welten aktiv Zahlen konstruieren. Sowohl Akteure als auch Historiker schaffen Zahlen, binden diese in kulturelle Kontexte ein, abhängig von der Kultur, von den Moden der Wissenschaft. Zum anderen ergibt sich mittels des praxeologischen Ansatzes und Ideen des sozialen Konstruktivismus der Blick auf ein grenzüberschreitendes Interpretationsangebot.

Zahlen fungieren als Vorstellungskonzeption, als Konstruktion, als Ausdruck eines relationalen Verhältnisses zur Umwelt.

Es wird uns deshalb auch kein Trost sein, wenn wir den Lexikonautor und seine Heringsfangzahl verächtlich auf seine Zeit beschränken, ihn somit delegitimieren und uns brüsten, wir seien heute moderner, exakter, genauer. Wie wir gehört haben, schaffen auch und gerade Historiker über Zahlen und bezifferte Zeiträume selbst immer neue Kreationen.

Zahlen stehen offenbar bei Menschen jeweils in einem bestimmten sozialen Kontext und sind vielfach miteinander kulturell kodiert. Sie stellen also immer nur einen relationalen Bezug zur Realitätswahrnehmung dar. Es geht also nicht darum, diese Zahlen in unser Wahrnehmungsverhalten zu transformieren und die Angaben gemäß unserer Vorstellungen auf Korrektheit zu überprüfen.

Was ist dann aber der Zweck, die Funktion des Gebrauchs von Ziffern und Zahlen? In den letzten Jahren haben Sozialkonstruktivisten, Hirnforscher (Spiegelneuronen) und Soziobiologen neue Erkenntnisse und weiter führende Überlegungen eingebracht[18].

Demnach gibt es das Bedürfnis des einzelnen Akteurs, sich mit anderen Akteuren die jeweils spezifische Weltwahrnehmung zu teilen. Auf diese Weise könnten bestimmte Prozesse und Hirnleistungen effizienter eingesetzt werden, indem etwa kognitive Vorgänge energiesparender ablaufen und statt dessen weitaus mehr Routinen eingesetzt werden könnten. Dahinter verberge sich eine Art entwicklungsbiologisches Programm. Die Neurobiologen sprechen in diesem Kontext von einem Überlebensverbund. Widerspruch verschafft uns ungute Gefühle, Bestätigung schafft Beruhigung und Sicherheit. Die Kulturwissenschaftler können mit diesen Erkenntnissen mannigfaltige kulturanthropologische Praktiken in Vergangenheit und Gegenwart indizieren; sie können das komplexe Gebilde aus Netzwerken, Ritualen und Diskursen dabei auf deren ursprünglichen Funktionen zurückführen. Die Komplexität resultiert auch daraus, dass der einzelne Akteur ja nicht nur einem einzelnen Akteursverbund angehört, sondern in vielen Kontexten steckt, und somit verschiedene, sektoral voneinander getrennte Teil-Weltwahrnehmungen wirken.

In diesem Sinne gewinnen Zahlen und Ziffern ihre ganz spezielle Funktion und Bedeutung. Sie symbolisieren zum einen ein Konglomerat von Sinn und Bedeutung, das Angebot einer bestimmten Welterklärung. Die Semantikvarianz dieser Welterklärung ist entsprechend breit, sie reicht vom rudimentären Begriffspaar viel/wenig bis zur elaborierten Quantenphysik. So besteht zwischen dem Volk am Amazonas und Stephen Hawking kein absoluter, nur ein relativer Unterschied. Zum anderen dient dieses Konglomerat, wiederum entsprechend zur ausgedehnten Semantikvarianz ganz unterschiedlichen Akteursgruppen der Verständigung, der beruhigenden gegenseitigen Bestätigung, dass die Welt in der Tat so ist, wie sie zu sein scheint.

Mit diesen Überlegungen gelingt es uns, etliche gemachten Beobachtungen herzuleiten.

Unser unbekannter Autor des Herings-Lexems hat also unter dieser Zahl gar nicht eine konkrete Menge subsummieren wollen, sondern sich an den damals verbreiteten barocken Gelehrten-Diskurs angepasst, um ernst genommen, anerkannt zu werden.

Zahlenmystiker und Verschwörungstheoretiker schaffen sich mit ihrer Fixierung auf bestimmte Zahlen eine ganz eigene, von andern strikt getrennte Akteursgruppe. Der hohe Außendruck kann dabei einen dramatisch kompakten Innen- und Anpassungsdruck erzeugen.

Historiker schaffen Zeiträume und Epochen, um Einigkeit und Verständigung herzustellen.

Die Geschichtswissenschaft steht bei der Untersuchung dieser Phänomene noch ganz am Anfang. Dabei liegt das Quellenmaterial offen zutage. Nämlich die Kommunikation zwischen den Akteuren: als Basis die Sprache. Darauf aufbauend Diskurse, rituelle Handlungen etc.

Es gibt bereits einen spatial turn[19]. Vielleicht wird es Zeit, einmal einen numeric turn auszurufen. Ein Forschungsfeld, auf dem zu untersuchen wäre, dass man zum Beispiel über den bewussten, mehr noch unbewussten Einsatz von Zahlmetaphern[20] im Alltag bereits an einer spezifischen Weltwahrnehmung teilnimmt.

 [1] Nach wie vor wegweisend ist und als Basis für weiter führende Überlegungen gilt der Band von Peter L. Berger und Thomas Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Mit einer Einleitung zur deutschen Ausgabe von Helmuth Plessner, 24. Auflage, Frankfurt/Main 2012.

[2] Unterschieden wird in Kybernetischer, Radikaler und Sozialer Konstruktivismus. Vgl. dazu etwa Siegfried J. Schmidt (Hg.), Der Diskurs des radikalen Konstruktivismus, Frankfurt/Main 1992, Heinz von Foerster, Das Konstruieren einer Wirklichkeit, in: Paul Watzlawick (Hg.), Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben. Beiträge zum Konstruktivismus, München 2008, S. 39-60, oder Ernst von Glasersfeld, Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität, in: Heinz Gumin, Heinrich Meier (Hg.), Einführung in den Konstruktivismus, München 2010, S. 9-39. Die weiteren Überlegungen beziehen sich auf die Perspektive des sozialen Konstruktivismus. Dazu weiter unten.

[3] Uwe Vormbusch, Die Herrschaft der Zahlen. Zur Kalkulation des Sozialen in der kapitalistischen Moderne, Frankfurt/Main 2012; Karl Menninger, Zahlwort und Ziffer. Eine Kulturgeschichte der Zahl, 3. Auflage, Göttingen 1979; Wolfgang Rautenberg, Messen und Zählen. Eine einfache Konstruktion der reellen Zahlen, Lemgo 2007; Heinz-Dieter Haustein, Weltchronik des Messens. Universalgeschichte von Maß und Zahl, Geld und Gewicht, Berlin 2001; sowie Georges Ifrah, Universalgeschichte der Zahlen, 2. Auflage, Frankfurt/Main 1991.

[4] Ich arbeite hier mit dem Akteursbegriff von Pierre Bourdieu (etwa dessen Arbeiten zu Habitus und Lebensstil, zum Diskurs, zum sozialen Sinn, zur Handlungsökonomie oder zu den Kapitalsorten). Vgl. z. B. Pierre Bourdieu, Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital, in: Reinhard Kreckel (Hg.), Soziale Ungleichheiten, Göttingen 1983, S. 183-198.

[5] Basierend auf den Ideen von Pierre Bourdieu handelt es sich dabei um die kombinierte Betrachtung bestehender Strukturen einerseits, Handlungsabfolgen und Wahrnehmungsmuster der in den Strukturen befindlichen Akteuren andererseits. Vgl. dazu Marian Füssel, Die feinen Unterschiede in der Ständegesellschaft. Der praxeologische Ansatz Pierre Bourdieus, in: Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit, Band 15 (2011), Heft 1: Soziale Ungleichheit und ständische Gesellschaft, S. 24-46; Rüdiger Graf, Was macht die Theorie in der Geschichte? „Praxeologie“ als Anwendung des „gesunden Menschenverstandes“, in: Jens Hacke, Matthias Pohlig (Hg.), Theorie in der Geschichtswissenschaft. Einblicke in die Praxis des historischen Forschens, Frankfurt/Main 2008, S. 109-129.

[6] Johann Heinrich Zedler (Hg.), Großes vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden. 64 Bände und vier Supplementbände, Leipzig und Halle 1732-1754.

[7] Wörtlich heißt es: „daß jährlich von denen Holländern bis viertzigtausend acht hundert Millionen Heringe gefangen“ werden;Zedler, Band 12, Sp. 1691.

[8] Vgl. etwa Gotthard G. G. Reinhold (Hg.), Die Zahl Sieben im alten Orient. Studien zur Zahlensymbolik in der Bibel und ihrer altorientalischen Umwelt, Frankfurt/Main 2008; Franz Carl Endres, Annemarie Schimmel, Das Mysterium der Zahl. Zahlensymbolik im Kulturvergleich, 3. Auflage, Köln 1986; sowie Keith Ellis, Magie der Zahl. Ihre Rolle in Natur, Kunst und Alltag, München 1979.

[9] „23 – Nichts ist so wie es scheint“ ist ein Film von Hans-Christian Schmid aus dem Jahr 1998. Er wurde von der Firma Claussen + Wöbke produziert.

[10] „Das glücklichste Volk der Welt“ auf https://www.youtube.com/watch?v=MZgtDHDHWcs (letzter Zugriff am 12.8.2014); der Bericht ist 5.08 Minuten lang. Das Thema Zählen erfolgt ab Minute 2.10.

[11] Felipe Fernandez Armesto, 1492. The Year the World Began, London 2009.

[12] Ohne den konstruktivistischen Charakter von Periodisierungen wirklich vollständig erkannt zu haben, wird zumindest an der Oberflächte innerhalb der Geschichtswissenschaft immer wieder einmal über chronologische Grenzziehungen diskutiert. Vgl. dazu etwa Walter Demel, „Fließende Epochengrenzen“. Ein Plädoyer für eine neue Periodisierungsweise historischer Zeiträume, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 48/1997, S. 590-598.

[13] Vgl. dazu im folgenden Ernst Hinrichs, Einführung in die Geschichte der frühen Neuzeit, München 1980.

[14] Vgl. dazu etwa Reinhard Sieder, Sozialgeschichte auf dem Weg zu einer historischen Kulturgeschichte?, in: Geschichte und Gesellschaft 20 (1994), S. 445-468.

[15] Besonders hervorgetan mit solchen Wortschöpfungen hat sich die Historische Demographie. Vgl. dazu Arthur E. Imhof, Historische Demographie als Sozialgeschichte. Gießen und Umgebung vom 17. zum 19. Jahrhundert, Darmstadt 1975; oder ders., Einführung in die historische Demographie, München 1977.

[16] Hier sind zum Beispiel die epochalen Werke von Fernand Braudel (etwa sein Buch über die Welt des Mittelmeers) zu nennen.

[17] Die Vorstellung vom sozialen Konstruktivismus beruht auf kommunikative Interaktionen des Individuums mit seinen lebensweltlichen, sozialen und kulturellen Kontexten. Dabei spielt die subjektive Beobachterposition vor dem Hintergrund kultureller Teilnahmemuster und Akteurspositionen eine entscheidende Rolle. Die (sektorale) Wahrnehmung der vermeintlich objektiv bestehenden Wirklichkeit ist gekoppelt an die Gesamtheit der individuellen Erfahrungen und die kollektiven Wirkmechanismen des kommunikativen Systems. Vgl. dazu Wolfgang Edelstein, Soziale Selektion, Sozialisation und individuelle Entwicklung. Zehn Thesen zur sozialkonstruktivistischen Rekonstruktion der Sozialisationsforschung, in: Matthias Grundmann (Hg.), Konstruktivistische Sozialisationsforschung. Lebensweltliche Erfahrungskontexte, individuelle Handlungskompetenzen und die Konstruktion sozialer Strukturen, Frankfurt/Main 1999, S. 35-52; oder Fritz G. Wallner (Hg.), Konstruktivismen. Eine kulturelle Wende, Wien 2001.

[18] Thomas Fuchs, Das Gehirn – ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption, Stuttgart 2008; Marco Iacoboni, Woher wir wissen, was andere denken und fühlen. Die neue Wissenschaft der Spiegelneuronen, München 2009; Markus Gabriel, Warum es die Welt nicht gibt, Berlin 2013; sowie Eckart Voland, Soziobiologie. Die Evolution von Kooperation und Konkurrenz, 4. Auflage, Berlin 2013.

[19] Doris Bachmann-Medick, Spatial Turn, in: dies.: Cultural Turns – Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Hamburg 2006, S. 284-328; Jörg Döring, Tristan Thielmann, Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, 2. Auflage, Bielefeld 2009.

[20] Begreift man den Einsatz von Metaphern („alle neune“, „alle viere“) als Bestandteil des Sozialkonstruktivismus, könnte man im alltäglichen Gebrauch von Zahlen und Ziffern tiefe Einblicke in die spezifische und kulturell codierte Aneignung von Welt aufdecken. Vgl. dazu George Lakoff, Mark Johnson, Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern, Heidelberg 2011. Von sprachwissenschaftlicher Warte aus vgl. Wolfgang P. Schmid, Wort und Zahl. Sprachwissenschaftliche Betrachtungen der Kardinalzahlwörter, Stuttgart 1989. Zum Verhältnis von Zahl und Wirklichkeit vgl. Daniel Fischer, Über das Verhältnis von Zahl und Wirklichkeit. Der Umgang mit statistischem Wissen im massenmedialen Diskurs, Wiesbaden 2009; sowie Torsten Wilholt, Zahl und Wirklichkeit. Eine philosophische Untersuchung über die Anwendbarkeit der Mathematik, Paderborn 2004.

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